Sonntag, 25. Oktober 2009
Was macht eine Psychotherapie erfolgreich?
Was macht therapeutische Arbeit erfolgreich? Eine gute Therapeutin? Die richtige Methode? Oder einfach zahlreiche und häufige Sitzungen nach dem Motto “Viel hilft viel”?
Am Ende ist es ganz einfach: Den Erfolg einer Therapie verdankt die Klientin/der Klient sich selbst. Denn sie bzw. er macht die entscheidende Arbeit.
Eine Therapeutin steht zur Seite, begleitet, bringt Fragen ins Spiel, regt an, gibt Raum, bietet einen Ort und eine Person, die ausschliesslich für die Klientin/den Klienten da ist, einen Schutzraum für eine bestimmte Zeit. All das erfordert Erfahrung, Können, Sensibilität usw., keine Frage. Aber all das ist nichts, wenn die Klientin (bleiben wir der sprachlichen Einfachheit halber mal bei der weiblichen Form) sich nicht offen auf den Entwicklungsprozess, den eine solche Arbeit darstellt, und seine einzelnen Schritte einlässt.
Solche Schritte können z.B. sein:
- neugierig auf sich selbst zu sein, die vielschichtigen Facetten der eigenen Persönlichkeit mit offenen Armen entdecken zu wollen,
- sorgsam, liebevoll und gut mit sich selbst umzugehen; zu lernen, den Blick wie selbstverständlich bei allem darauf zu richten, ob es einem wirklich gut tut,
- die sozialen Strukturen und Beziehungen, in denen man lebt, vorbehaltlos anzuschauen; Fremdbilder und Selbstbilder zu erkennen und unterscheiden zu lernen,
- Abschied zu nehmen von Wünschen oder Erwartungen an sich selbst und/oder andere, die trügerisch sind, nicht realisierbar, nicht heilsam,
- den Mut aufzubringen, sich den eigenen (verborgenen) Ängsten zu stellen und sie schrittweise aufzulösen; für unüberwindbar gehaltene Grenzen zu überschreiten,
- die Stärke zu entwickeln, eigene Schattenseiten anzusehen und zu integrieren,
- eine der größten Ängste, die vor Veränderung, aufzugeben, Vergangenes loszulassen, Neues im eigenen Leben zuzulassen und schliesslich zu wollen,
- die Tatkraft zu entfalten und zu stärken, kleine oder große neue Schritte zu gehen, im eigenen Rhythmus, schrittweise, aber entschlossen,
- das Vertrauen in sich selber und die eigene (Selbstheilungs-)Kraft wachsen zu lassen, es zu hegen und zu pflegen,
- dieses wunderbare Gefühl, auf dem Weg zu sich selbst zu sein, bewusst zu erleben und zu genießen.
Eine solche Arbeit an sich selbst erfordert Mut, Kraft, Ausdauer und sie ist bisweilen anstrengend. Deswegen muß sie immer der KlientIn angemessen sein, im individuell richtigen und guten Fortschreiten erfolgen. Es gibt keine Allerweltsrezepte, wann oder wie schnell ein “Problem gelöst” sein, ein Mensch wieder “funktionieren” muß. Alles hat seine Zeit. Jeder Mensch hat seine eigene Zeit und seinen eigenen Duktus.
Aber lassen Sie sich nicht schrecken: Eine solche Arbeit an sich selbst kann auch überraschen, befreien, ungeahnte Kräfte freisetzen und plötzlich einen Knoten lösen und Geist und Seele mit Freude und neuem Lebensmut erfüllen.
Das immer wieder mitzuerleben ist die große Freude in meiner Arbeit.

Herzlich willkommen in der Praxis Rosa Couch in Aachen.