Was kann man oder frau eigentlich tun, wenn der engste Familienkreis, die Partnerschaft mit der Diagnose Psychose konfrontiert wird? Was tun, wenn man am Partner schleichende oder auch vehemente Änderungen des Verhaltens wahrnimmt, wenn der vertraute Mensch sich immer mehr zurückzieht, Kontakte abbricht, sich verweigert oder zu aggressiven Handlungen neigt? „Sie ist nicht mehr wieder zu erkennen“ oder „Dieser Mensch hat mit dem, den ich geliebt habe, nichts mehr zu tun“, sind häufige Aussagen von Angehörigen in dieser Ausnahmesituation.
Schnell kommen Schuldgefühle auf, die krankheitsauslösende Ursache wird bei sich selbst oder in der Familie gesucht. An wen kann sich der Angehörige wenden?
Am naheliegendsten ist es sicher den eigenen Hausarzt um Rat zu fragen und im besten Fall wird dieser an die entsprechenden Therapeut/innen vor Ort oder die psychiatrische Ambulanz verweisen. Vielleicht gelingt es auch den betroffenen Partner in diese Gespräche einzubeziehen. In vielen größeren Städten existieren auch Angehörigengruppen. In diesen geschützten Räumen werden Erfahrungen ausgetauscht, lässt sich über Ängste und Unsicherheiten sprechen, erfahren die Angehörigen von den Bewältigungsstrategien der ebenso Betroffenen.
Die „Bedrohung“ des ehemals Vertrauten allein aushalten zu wollen ist m.E. der schlechteste Ratgeber. Der Druck für das Gesamtsystem Beziehung wird für beide Seiten ungleich größer, was sich wiederum negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken könnte. Psychotiker erleben oft den Verlust der eigenen Grenzen, was sie für sich selbst als gefährlich wahrnehmen. Dann sind Angehörige, die ihre eigenen Interessen und Gewohnheiten opfern, um ganz für den Betroffenen da sein zu können, in dieser Grenzenlosigkeit aber gerade kein notwendiger Halt. Im Gegenteil, hier sind klare Grenzen gefordert, ohne den anderen klein machen zu müssen. Sie wirken wie ein Netz über schwankendem Boden. Psychotische Kommunikation weicht von bisher erfahrenen Rastern deutlich ab, stellt den Angehörigen vor die Aufgabe, den Kern der Botschaft herausfiltern zu müssen und dabei zu scheitern, weil er/sie auf einem anderen Sender sendet. Hier Ruhe und Gelassenheit an den Tag legen zu können, braucht Zeit und manchmal das Wissen, dass es hier nicht um Verstehbarkeit geht, sondern um Verständnis für die Einsamkeit und den Rückzug des Anderen. Nähe ohne Krampf, Ruhe ohne Absicht sind leicht gefordert, aber in der akuten Situation nur schwer herstellbar. Doch enthält die psychotische Kommunikation auch die Chance, an sich und der Beziehung mehr wahrzunehmen als zuvor.