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Umgang mit Krankheit

Die heilige Krankheit: GeisterDer französische Comiczeichner David B. erzählt in seinen beiden Büchern Die heilige Krankheit: Geister und Die heilige Krankheit: Schatten seine eigene Familiengeschichte, in deren Mittelpunkt der an Epilepsie erkrankte Bruder steht. Wie geht eine Familie, wie gehen Eltern und Geschwister mit Krankheit und Erkrankung um? Wie findet man als Bruder oder Schwester seinen eigenen Weg, seine eigene Identität, sein eigenes “Standing”, wenn der erkrankte und ja geliebte Bruder alle Aufmerksamkeit innerhalb der Familie erhalt?

Band 2, Die heilige Krankheit: Schatten“Das Buch zeigt in so eindrücklichen wie prägnanten Bildern, wie tief die Erkrankung von Jean-Christophe die gesamte Familie betrifft und wie in dem sich daraus ergebenden, im wahrsten Sinne heillosen Durcheinander die Fantasie von David B. zu spriessen beginnt.” (reprodukt)
Die beiden lesens- und schauenswerten Bände sind erschienen in der Edition Moderne.

Psychosen in der Familie, in Beziehung und Partnerschaft

Was kann man oder frau eigentlich tun, wenn der engste Familienkreis, die Partnerschaft mit der Diagnose Psychose konfrontiert wird? Was tun, wenn man am Partner schleichende oder auch vehemente Änderungen des Verhaltens wahrnimmt, wenn der vertraute Mensch sich immer mehr zurückzieht, Kontakte abbricht, sich verweigert oder zu aggressiven Handlungen neigt? „Sie ist nicht mehr wieder zu erkennen“ oder „Dieser Mensch hat mit dem, den ich geliebt habe, nichts mehr zu tun“, sind häufige Aussagen von Angehörigen in dieser Ausnahmesituation.
Schnell kommen Schuldgefühle auf, die krankheitsauslösende Ursache wird bei sich selbst oder in der Familie gesucht. An wen kann sich der Angehörige wenden?
Am naheliegendsten ist es sicher den eigenen Hausarzt um Rat zu fragen und im besten Fall wird dieser an die entsprechenden Therapeut/innen vor Ort oder die psychiatrische Ambulanz verweisen. Vielleicht gelingt es auch den betroffenen Partner in diese Gespräche einzubeziehen. In vielen größeren Städten existieren auch Angehörigengruppen. In diesen geschützten Räumen werden Erfahrungen ausgetauscht, lässt sich über Ängste und Unsicherheiten sprechen, erfahren die Angehörigen von den Bewältigungsstrategien der ebenso Betroffenen.
Die „Bedrohung“ des ehemals Vertrauten allein aushalten zu wollen ist m.E. der schlechteste Ratgeber. Der Druck für das Gesamtsystem Beziehung wird für beide Seiten ungleich größer, was sich wiederum negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken könnte. Psychotiker erleben oft den Verlust der eigenen Grenzen, was sie für sich selbst als gefährlich wahrnehmen. Dann sind Angehörige, die ihre eigenen Interessen und Gewohnheiten opfern, um ganz für den Betroffenen da sein zu können, in dieser Grenzenlosigkeit aber gerade kein notwendiger Halt. Im Gegenteil, hier sind klare Grenzen gefordert, ohne den anderen klein machen zu müssen. Sie wirken wie ein Netz über schwankendem Boden. Psychotische Kommunikation weicht von bisher erfahrenen Rastern deutlich ab, stellt den Angehörigen vor die Aufgabe, den Kern der Botschaft herausfiltern zu müssen und dabei zu scheitern, weil er/sie auf einem anderen Sender sendet. Hier Ruhe und Gelassenheit an den Tag legen zu können, braucht Zeit und manchmal das Wissen, dass es hier nicht um Verstehbarkeit geht, sondern um Verständnis für die Einsamkeit und den Rückzug des Anderen. Nähe ohne Krampf, Ruhe ohne Absicht sind leicht gefordert, aber in der akuten Situation nur schwer herstellbar. Doch enthält die psychotische Kommunikation auch die Chance, an sich und der Beziehung mehr wahrzunehmen als zuvor.

Diagnose Psychose - Hilfe für Angehörige

Diagnose Psychose

…oder ein Plädoyer für ein anderes Verständnis der Krankheit
Angehörige psychoseerfahrener Menschen sind einer großen Belastung ausgesetzt. Manchmal schleichend, manchmal schlagartig verändert sich das Beziehungsleben in der Familie oder unter Freunden. Der Einbruch ist radikal, für gewöhnliche Erklärungen oft nicht mehr zugänglich, beinahe irreal. Der geliebte Mensch zieht sich zurück, löst Verbindungen, zeigt aggressives zerstörerisches Verhalten und scheint in seiner eigenen Welt zu leben. Je nach Form und Verlauf der Psychose zeigt sich eine unterschiedliche Symptomatik.
Noch immer sind die Ursachen für das veränderte Erleben nicht gänzlich erforscht, Behandlungsmethoden gibt es vielzählige. Aber welche “Wirkungen” haben Psychosen auf die unmittelbaren Beziehungen des Psychotikers? Welche Chancen der Kommunikation mit dem “Fremden” haben sie? Was hilft inmitten des Ohnmachtsgefühls oder wer? Gegen die Tabuisierung dieser im Volksmund oft noch als “irre” bezeichneten Menschen und ihrer Krankheit wendet sich der Dokumentarfilm “Raum 4070″, der zusammen mit dem Lehrfilm “Psychosen verstehen” im Potsdamer Psychoseseminar entstanden ist. Patienten, Angehörige und psychiatrische Fachkräfte stellen sich dem psychotischen Erleben im Alltag: ungeschönt, brutal, humorvoll, mit Ängsten, Wahn und Phantasie. Wer einen effektheischenden Journalismus erwartet ist hier falsch. Dem Zuschauer stellt sich wohl eher die Frage “Wer ist hier krank?” “Sie wissen, dass wir immer nur das für wahr halten, was wir selber erleben. Was jeder andere erlebt, das kennen wir nicht. Niemand kennt das von uns. Hier ist die Möglichkeit zu erfahren, wie die Wahrheiten von anderen sind.” (DVD Cover, Peter Stolz)
Die beiden DVD sind erhältlich im Psychiatrie-Verlag, oder unter der ISBN 10: 3-88414-452-9 und ISBN 13: 978-3-88414-452-7.