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Was macht eine Psychotherapie erfolgreich?

Was macht therapeutische Arbeit erfolgreich? Eine gute Therapeutin? Die richtige Methode? Oder einfach zahlreiche und häufige Sitzungen nach dem Motto “Viel hilft viel”?
Am Ende ist es ganz einfach: Den Erfolg einer Therapie verdankt die Klientin/der Klient sich selbst. Denn sie bzw. er macht die entscheidende Arbeit.
Eine Therapeutin steht zur Seite, begleitet, bringt Fragen ins Spiel, regt an, gibt Raum, bietet einen Ort und eine Person, die ausschliesslich für die Klientin/den Klienten da ist, einen Schutzraum für eine bestimmte Zeit. All das erfordert Erfahrung, Können, Sensibilität usw., keine Frage. Aber all das ist nichts, wenn die Klientin (bleiben wir der sprachlichen Einfachheit halber mal bei der weiblichen Form) sich nicht offen auf den Entwicklungsprozess, den eine solche Arbeit darstellt, und seine einzelnen Schritte einlässt.
Solche Schritte können z.B. sein:

  • neugierig auf sich selbst zu sein, die vielschichtigen Facetten der eigenen Persönlichkeit mit offenen Armen entdecken zu wollen,
  • sorgsam, liebevoll und gut mit sich selbst umzugehen; zu lernen, den Blick wie selbstverständlich bei allem darauf zu richten, ob es einem wirklich gut tut,
  • die sozialen Strukturen und Beziehungen, in denen man lebt, vorbehaltlos anzuschauen; Fremdbilder und Selbstbilder zu erkennen und unterscheiden zu lernen,
  • Abschied zu nehmen von Wünschen oder Erwartungen an sich selbst und/oder andere, die trügerisch sind, nicht realisierbar, nicht heilsam,
  • den Mut aufzubringen, sich den eigenen (verborgenen) Ängsten zu stellen und sie schrittweise aufzulösen; für unüberwindbar gehaltene Grenzen zu überschreiten,
  • die Stärke zu entwickeln, eigene Schattenseiten anzusehen und zu integrieren,
  • eine der größten Ängste, die vor Veränderung, aufzugeben, Vergangenes loszulassen, Neues im eigenen Leben zuzulassen und schliesslich zu wollen,
  • die Tatkraft zu entfalten und zu stärken, kleine oder große neue Schritte zu gehen, im eigenen Rhythmus, schrittweise, aber entschlossen,
  • das Vertrauen in sich selber und die eigene (Selbstheilungs-)Kraft wachsen zu lassen, es zu hegen und zu pflegen,
  • dieses wunderbare Gefühl, auf dem Weg zu sich selbst zu sein, bewusst zu erleben und zu genießen.

Eine solche Arbeit an sich selbst erfordert Mut, Kraft, Ausdauer und sie ist bisweilen anstrengend. Deswegen muß sie immer der KlientIn angemessen sein, im individuell richtigen und guten Fortschreiten erfolgen. Es gibt keine Allerweltsrezepte, wann oder wie schnell ein “Problem gelöst” sein, ein Mensch wieder “funktionieren” muß. Alles hat seine Zeit. Jeder Mensch hat seine eigene Zeit und seinen eigenen Duktus.
Aber lassen Sie sich nicht schrecken: Eine solche Arbeit an sich selbst kann auch überraschen, befreien, ungeahnte Kräfte freisetzen und plötzlich einen Knoten lösen und Geist und Seele mit Freude und neuem Lebensmut erfüllen.
Das immer wieder mitzuerleben ist die große Freude in meiner Arbeit.

Träume deuten - Traumsymbole

Eine Form der Arbeit an und mit sich selbst ist die Betrachtung der eigenen Träume. Die Botschaften, die uns da aus unserem Unbewußten erreichen, erscheinen uns im Wachzustand, so wir sie noch erinnern, oft verwirrend, irritierend, befremdlich, manchmal auch witzig und wir möchten gerne “genau wissen”, was uns ein solcher Traum sagen will.

Im Internet gibt es zahlreiche Seiten zur schnellen Online-Traumdeutung, oft sind es Lexika zu Traumsymbolen, oft mit identischen Inhalten. Verlockend der Gedanke und verständlich der Wunsch, mit zwei, drei Klicks die ultimative Erkenntnis über unsere aktuelle Seelenlage zu erhalten. Aber so funktioniert es leider nicht. Was heißt leider, ich glaube, das ist auch gut so. Wir können über unsere Träume nur etwas erfahren, wenn wir uns Zeit für uns selbst nehmen, wenn wir uns unserem komplexen Inneren mit den verschiedenen Wünschen, Bedürfnissen, Sorgen und Freuden aufmerksam widmen. Und das braucht Zeit. Und auch etwas Übung.
Und wie könnte es, wenn wir einen Moment darüber nachdenken, überhaupt allgemeingültige Erklärungen und Deutungen für individuelle Träume geben? Jedes Symbol, jedes Detail, das in einem Traum auftaucht, hat immer vor allem eine Verankerung in der ganz persönlichen Lebensgeschichte und -erfahrung des Träumenden. Insofern können Symbollexika höchstens einen Hinweis geben, auf eine Spur führen, die zu einem Gesamtbild führt, das einem stimmig erscheint. - Erst wollte ich schreiben, “auf eine Spur führen, die richtig ist”. Aber wie kann die Deutung eines ganz persönlichen einzigartigen Traumes richtig oder falsch sein? Das ist wie mit der Gedichtinterpretation in der Schule: Auch dort gibt es kein “Richtig” oder “Falsch” in der Deutung eines lyrischen Textes (auch wenn mancher Lehrer das Gegenteil behauptet). Das einzige Kriterium ist die “Stimmigkeit” für die Leserin oder den Träumer. Wenn ihm bzw. ihr die Zusammenhänge, die er/sie selbst findet, “etwas sagen”, wenn die innere Stimme, das Bauchgefühl darauf mit Zustimmung reagiert, dann scheint es eine fruchtbringende Spur zu sein. Ganz egal, was irgendjemand anderes dazu sagt. Mit anderen Worten: am Ende können Sie Ihre Träume nur selbst deuten.

In der Regel erscheinen uns unsere Traumbilder sehr surreal, sie folgen einer ganz eigenen Logik, einer Traumwirklichkeit, in der z.B. die bekannten Naturgesetze völlig selbstverständlich außer Kraft gesetzt sind und wir fliegen können oder von jetzt auf gleich an einem anderen Ort sind. Das ist ja auch das Spannende daran. Betrachten Sie einen Traum wie einen spannenden Kinofilm, von dem Sie sich überraschen lassen. In sich ist der Taum stimmig und er erzählt Ihnen eine Geschichte, dazu bedient er sich frei aller Erinnerungen und Erfahrungen, die Sie zur Verfügung haben. Wenn wir einen märchenhaften oder phantastischen Film sehen, wundern wir uns ja auch nicht über sprechende Bilder an den Wänden, sondern suchen nach der Geschichte, die er uns erzählen will. So ähnlich könnte es auch mit den Träumen sein: welche Assoziationen, welche Bezüge aus Ihrem Leben rufen die einzelnen, vielleicht “seltsam” zusammengefügten Elemente in Ihnen hervor? In welchem aktuellen Bezug könnte der Taum stehen, mit welchem Problem, mit welcher Frage oder Situation setzt sich Ihr Unbewusstes da auseinander und greift in Bildern und Symbolen auf ältere Erfahrungen und Settings zurück?

Um die Beantwortung dieser spannenden Fragen zu üben, empfehlen alle ernsthaften TraumforscherInnen unisono, dass man den Traum unmittelbar nach dem Erwachen so vollständig wie möglich aufschreiben soll, damit möglichst viele Details erhalten bleiben. Denn das kennen Sie sicher auch: im Erwachen ist der Traum noch vollständig da, vor allem seine Atmosphäre wirkt noch ganz stark auf uns und wir “sehen” noch viele einzelne Elemente. Später dann, am hellichten Tag, nach nur wenigen anderen Verrichtungen, kann es sein, dass alle Einzelheiten verschwunden sind. Deshalb: wollen Sie mit Ihren Träumen arbeiten, legen Sie Stift und Papier bereit und schreiben jeden Traum in allen noch so unsinnig erscheineden Einzelheiten beim Erwachen auf.

Größere Aufmerksamkeit fand in jüngerer Zeit zu Recht, meine ich, die Traumforscherin Ortrud Grön, die sich als Psychotherapeutin seit Jahrzehnten intensiv mit Traumdeutung und Traumsymbolen beschäftigt. Ihr Buch “Ich habe einen Traum.” Was hat er zu bedeuten? (Ludwig Verlag, München 2009) ist das spannende Ergebnis mehrerer langer, ausführlicher Gespräche der ZEIT-Journalisten Christoph Amend und Tillmann Prüfer mit Ortrud Grön in ihrer Lauterbacher Mühle. Ortrud Grön geht davon aus, dass unsere Träume neben den persönlichen Erinnerungen und Assoziationen auch gemeingültigen Charakter haben, dass sie auch gleichnishafte Bilder des Wesens der Natur sind. Sie vergleicht die Träume mit Werken der bildenden Kunst oder komplexen Romanen und sie sagt, sie seien mitunter “das Kreativste, was der Mensch hervorbringt” (S. 29), und sie schlägt ihre eigene Sicht auf Träume und Traumdeutung vor: “Ich sehe die Träume als Theaterstücke, die sich in uns ereignen, um uns den Blick auf das eigene Leben zu eröffnen. Träume helfen uns, aus unseren Erfahrungen zu lernen. Und wenn wir uns mit ihnen beschäftigen, werden sie zu unseren besten Freunden.”

Leider ist nicht viel im Netz über Ortrud Grön zu finden, hier ein kleines Interview mit ihr in der Brigitte, hier ein kurzer Beitrag der genannten ZEIT-Autoren.