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Träume deuten - Traumsymbole

Eine Form der Arbeit an und mit sich selbst ist die Betrachtung der eigenen Träume. Die Botschaften, die uns da aus unserem Unbewußten erreichen, erscheinen uns im Wachzustand, so wir sie noch erinnern, oft verwirrend, irritierend, befremdlich, manchmal auch witzig und wir möchten gerne “genau wissen”, was uns ein solcher Traum sagen will.

Im Internet gibt es zahlreiche Seiten zur schnellen Online-Traumdeutung, oft sind es Lexika zu Traumsymbolen, oft mit identischen Inhalten. Verlockend der Gedanke und verständlich der Wunsch, mit zwei, drei Klicks die ultimative Erkenntnis über unsere aktuelle Seelenlage zu erhalten. Aber so funktioniert es leider nicht. Was heißt leider, ich glaube, das ist auch gut so. Wir können über unsere Träume nur etwas erfahren, wenn wir uns Zeit für uns selbst nehmen, wenn wir uns unserem komplexen Inneren mit den verschiedenen Wünschen, Bedürfnissen, Sorgen und Freuden aufmerksam widmen. Und das braucht Zeit. Und auch etwas Übung.
Und wie könnte es, wenn wir einen Moment darüber nachdenken, überhaupt allgemeingültige Erklärungen und Deutungen für individuelle Träume geben? Jedes Symbol, jedes Detail, das in einem Traum auftaucht, hat immer vor allem eine Verankerung in der ganz persönlichen Lebensgeschichte und -erfahrung des Träumenden. Insofern können Symbollexika höchstens einen Hinweis geben, auf eine Spur führen, die zu einem Gesamtbild führt, das einem stimmig erscheint. - Erst wollte ich schreiben, “auf eine Spur führen, die richtig ist”. Aber wie kann die Deutung eines ganz persönlichen einzigartigen Traumes richtig oder falsch sein? Das ist wie mit der Gedichtinterpretation in der Schule: Auch dort gibt es kein “Richtig” oder “Falsch” in der Deutung eines lyrischen Textes (auch wenn mancher Lehrer das Gegenteil behauptet). Das einzige Kriterium ist die “Stimmigkeit” für die Leserin oder den Träumer. Wenn ihm bzw. ihr die Zusammenhänge, die er/sie selbst findet, “etwas sagen”, wenn die innere Stimme, das Bauchgefühl darauf mit Zustimmung reagiert, dann scheint es eine fruchtbringende Spur zu sein. Ganz egal, was irgendjemand anderes dazu sagt. Mit anderen Worten: am Ende können Sie Ihre Träume nur selbst deuten.

In der Regel erscheinen uns unsere Traumbilder sehr surreal, sie folgen einer ganz eigenen Logik, einer Traumwirklichkeit, in der z.B. die bekannten Naturgesetze völlig selbstverständlich außer Kraft gesetzt sind und wir fliegen können oder von jetzt auf gleich an einem anderen Ort sind. Das ist ja auch das Spannende daran. Betrachten Sie einen Traum wie einen spannenden Kinofilm, von dem Sie sich überraschen lassen. In sich ist der Taum stimmig und er erzählt Ihnen eine Geschichte, dazu bedient er sich frei aller Erinnerungen und Erfahrungen, die Sie zur Verfügung haben. Wenn wir einen märchenhaften oder phantastischen Film sehen, wundern wir uns ja auch nicht über sprechende Bilder an den Wänden, sondern suchen nach der Geschichte, die er uns erzählen will. So ähnlich könnte es auch mit den Träumen sein: welche Assoziationen, welche Bezüge aus Ihrem Leben rufen die einzelnen, vielleicht “seltsam” zusammengefügten Elemente in Ihnen hervor? In welchem aktuellen Bezug könnte der Taum stehen, mit welchem Problem, mit welcher Frage oder Situation setzt sich Ihr Unbewusstes da auseinander und greift in Bildern und Symbolen auf ältere Erfahrungen und Settings zurück?

Um die Beantwortung dieser spannenden Fragen zu üben, empfehlen alle ernsthaften TraumforscherInnen unisono, dass man den Traum unmittelbar nach dem Erwachen so vollständig wie möglich aufschreiben soll, damit möglichst viele Details erhalten bleiben. Denn das kennen Sie sicher auch: im Erwachen ist der Traum noch vollständig da, vor allem seine Atmosphäre wirkt noch ganz stark auf uns und wir “sehen” noch viele einzelne Elemente. Später dann, am hellichten Tag, nach nur wenigen anderen Verrichtungen, kann es sein, dass alle Einzelheiten verschwunden sind. Deshalb: wollen Sie mit Ihren Träumen arbeiten, legen Sie Stift und Papier bereit und schreiben jeden Traum in allen noch so unsinnig erscheineden Einzelheiten beim Erwachen auf.

Größere Aufmerksamkeit fand in jüngerer Zeit zu Recht, meine ich, die Traumforscherin Ortrud Grön, die sich als Psychotherapeutin seit Jahrzehnten intensiv mit Traumdeutung und Traumsymbolen beschäftigt. Ihr Buch “Ich habe einen Traum.” Was hat er zu bedeuten? (Ludwig Verlag, München 2009) ist das spannende Ergebnis mehrerer langer, ausführlicher Gespräche der ZEIT-Journalisten Christoph Amend und Tillmann Prüfer mit Ortrud Grön in ihrer Lauterbacher Mühle. Ortrud Grön geht davon aus, dass unsere Träume neben den persönlichen Erinnerungen und Assoziationen auch gemeingültigen Charakter haben, dass sie auch gleichnishafte Bilder des Wesens der Natur sind. Sie vergleicht die Träume mit Werken der bildenden Kunst oder komplexen Romanen und sie sagt, sie seien mitunter “das Kreativste, was der Mensch hervorbringt” (S. 29), und sie schlägt ihre eigene Sicht auf Träume und Traumdeutung vor: “Ich sehe die Träume als Theaterstücke, die sich in uns ereignen, um uns den Blick auf das eigene Leben zu eröffnen. Träume helfen uns, aus unseren Erfahrungen zu lernen. Und wenn wir uns mit ihnen beschäftigen, werden sie zu unseren besten Freunden.”

Leider ist nicht viel im Netz über Ortrud Grön zu finden, hier ein kleines Interview mit ihr in der Brigitte, hier ein kurzer Beitrag der genannten ZEIT-Autoren.

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